BERLIN BRAUCHT EINEN PAKT FÜR FAIRES WOHNEN.

Wie können wir faires Wohnen für alle gestalten?

Faires Wohnen ist ein Grundbedürfnis. Doch in Berlin fehlen bis 2030 voraussichtlich 200.000 Wohnungen. Ein „Weiter so wie bisher“ kann daher nicht die Lösung sein. Im ausführlichen und engen Austausch mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft haben wir vier Handlungsfelder identifiziert, wie faires Wohnen für alle gelingen kann.

 

Klimaschutz und Mieterschutz dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Statt zu einem Entweder-oder müssen wir zu einem Sowohl-als-auch kommen: energieeffiziente Wohnungen mit bezahlbaren Mieten.

Mehr Klimaschutz? Unbedingt! Mehr Miete? Keinesfalls! Kann diese Rechnung noch angesichts der weltweiten Klimadebatte aufgehen?

Wir als Deutsche Wohnen sagen: Klimaschutz geht uns alle an. Deshalb müssen wir alle unseren Beitrag leisten. Der Schutz unseres Klimas ist unsere Verantwortung für unsere Kinder und Kindeskinder. Gibt es ein schützenswerteres Gut? Wenn wir ernsthaften Klimaschutz in und für Berlin wollen, können dies aber nicht allein Vermieter auf ihren Schultern tragen. Wir brauchen einen Dreiklang aus Vermieter, Mieter – und Staat.

50 Prozent des CO2-Ausstoßes in Berlin entfallen auf den Immobiliensektor, beziffert der Berliner Klimaschutzrat. Mehr als 85 Prozent der Berliner wohnen hier zur Miete. Um eine Senkung der Berliner CO2-Emissionen zu erreichen, müsste die Sanierungsrate von heute unter 1 Prozent pro Jahr mindestens verdreifacht werden.

Statt eines kühlen Kopfes herrscht jedoch eine aufgeheizte Diskussion mit Feindbildern, die uns am Ende nicht an einen Tisch bringt, sondern spaltet.

„Die energetische Sanierung ist bereits seit Jahren weit unterhalb der dringend notwendigen Dynamik. Es drohen weitere Verschlechterungen.“

Positionspapier des Berliner Klimaschutzrates (August 2019)

Wir brauchen ein Klima, das Sanierungen fördert.

Deshalb schlagen wir als Ergebnis aus den Dialog-Foren vor:

  • mehr Förderinstrumente von Bund und Land
  • passgenau und nicht zu kompliziert
  • Klimaschutzmaßnahmen weiterdenken: nicht nur mittels günstiger Zinsen für Bauprojekte, sondern direkter Subventionen
  • Handschlag zwischen öffentlicher und privater Hand für Klimaschutz, um Kompetenzen zu bündeln und Know-how zu teilen
  • behördliche Vorschriften für Sanierungen überprüfen, vereinheitlichen und vereinfachen

„Durch zielgenaue Modernisierungen lassen sich bis zu 70 Prozent Emissionen einer Immobilie reduzieren.“

Michael Zahn, Vorstand Deutsche Wohnen

Eine reine Förderung durch Zinsen hat in Zeiten von Negativ-Zinsen ihre Kraft verloren. Stattdessen brauchen wir einen starken Investitionspakt für Klimaschutz, um alte Bauten energetisch zu ertüchtigen und Mieten bezahlbar zu halten. So wie beim Investitionspakt 2008/09: Bis zu einem Drittel der Kosten für die Sanierung von denkmalgeschützten UNESCO-Bauten hat die öffentliche Hand damals unkompliziert übernommen. Daran müssen wir anknüpfen. So könnte man zum Beispiel die heutige KfW-Förderung (Kreditanstalt für Wiederaufbau) an die damaligen Kriterien und Verfahrensweisen des „Konjunkturpakets II“ der Nullerjahre anpassen.

Hellersdorfer Promenade

Eines der größten Modernisierungsprojekte der Deutsche Wohnen liegt in Hellersdorf: die Hellersdorfer Promenade.

Hier investierte die Deutsche Wohnen von 2014 bis 2018 insgesamt 35 Millionen Euro, damit 1.300 Wohnungen und Gewerbeeinheiten den neuesten energetischen Standards entsprechen.

Das Ergebnis: mehr als 1.600 Tonnen CO2-Einsparung pro Jahr und eine Entlastung um 18 Prozent Heizkosten. Das alles unter Einbeziehung der Mieter und ihrer Wünsche: neue Spielgeräte für die Kinder, Papierkörbe für die saubere Umwelt und mehr Fahrradständer als Anreiz für eine umweltschonende Mobilität.