BERLIN BRAUCHT EINEN PAKT FÜR FAIRES WOHNEN.

Wie können wir faires Wohnen für alle gestalten?

Faires Wohnen ist ein Grundbedürfnis. Doch in Berlin fehlen bis 2030 voraussichtlich 200.000 Wohnungen. Ein „Weiter so wie bisher“ kann daher nicht die Lösung sein. Im ausführlichen und engen Austausch mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft haben wir vier Handlungsfelder identifiziert, wie faires Wohnen für alle gelingen kann.

In Berlin fehlen bis zu 200.000 Wohnungen.

Nur durch massiven Neubau können wir den dringend benötigten Wohnraum schaffen. Und das geht nur im Schulterschluss von städtischer, genossenschaftlicher und privater Wohnungswirtschaft, Gesellschaft und Politik.

Berlin zieht Menschen aus aller Welt an. Große Firmen siedeln sich an, die Wirtschaft floriert, die Stadt wächst. Das bedeutet: Berlin wird voller. Jedes Jahr ziehen 20.000 bis 40.000 Menschen neu an die Spree. Aber nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch verfügbare Wohnungen bedeuten für eine Stadt einen Standort-Vorteil. Deshalb braucht Berlin dringend mehr Wohnraum. Doch die Zahl der Baugenehmigungen hinkt nicht nur hinterher. Sie sinkt. Für zehn Prozent weniger Wohnungen gaben die Behörden in den ersten neun Monaten dieses Jahres grünes Licht. Wir brauchen die Trendwende!

„Berlin hat Wachstum­sschmer­zen. Das sind gute Nach­richten, aber jetzt müssen wir beim Neu­bau und Ausbau der Infra­struktur nachziehen.“

Andreas Tied, Investitionsbank Berlin

Wir brauchen mehr Baugenehmigungen. Wir brauchen schneller Baugenehmigungen. Und wir brauchen klare Ansprechpartner für Bauherren auf Verwaltungsseite, Kompetenzen müssen gebündelt werden. Die Zeit drängt. Schon jetzt schiebt Berlin einen Nachfrage-Überhang von Jahr zu Jahr vor sich her; umso wichtiger ist das klare Bekenntnis vom Senat zu mehr Neubau, dem klare Taten folgen. Diesen Kraftakt können städtische Wohnungsgesellschaften nicht alleine stemmen. Es braucht den Schulterschluss mit privaten Wohnungsunternehmen, die jahrzehntelange Kompetenz, Erfahrung und vor allem Investitionsbereitschaft mitbringen.

„Auf Bau­geneh­migung­en warten wir zu lange. Solche Verzögerungen verteuern Bauten um zehn Prozent.“

Thomas Herrschelmann, Fachgemeinschaft Bau

Müssen wir alle enger zusammenrücken, wenn unsere Stadt wächst? Wir meinen: Berlin hat noch genügend Flächen für Zuzügler und kann trotz Neubau eine gute Lebensqualität für seine Einwohner gewährleisten. Wir müssen aber die Akzeptanz bei Anwohnern verbessern, dass in unmittelbarer Nähe Neubau entsteht, über ihnen Dachgeschosse ausgebaut werden und auch freie grüne Wiesen weichen müssen. Selbstverständlich muss Bauen ertragbar sein. Aber zur Wahrheit gehört auch, dass die Interessen der Allgemeinheit Vorrang vor Einzelinteressen haben. Ein Beispiel, das dies gut auf den Punkt bringt und einen konkreten Missstand aufzeigt, ist unser Bauprojekt in Berlin-Westend.

Siedlung Westend

600 moderne, energieeffiziente Wohnungen sollen nahe dem Olympiastadion entstehen. Dazu müssen 210 sanierungsbedürftige Wohnungen weichen, die in den 1950ern als temporäre Unterkünfte für die Angehörigen von amerikanischen und britischen Soldaten angelegt worden waren. Doch seit acht Jahren steht eines der wichtigsten Neubauprojekte der Deutsche Wohnen still, weil Lokalpolitiker und Anwohner die Planungen in die Länge ziehen und blockieren. In Zahlen: Erste Schritte zum Bebauungsplanverfahren 2012, eine Vielzahl von Treffen mit der Bezirkspolitik, mit den Mietern in Mieterversammlungen, hinzu kommen diverse Einzelgespräche. Ein Beispiel, das zeigt, dass neuer Wohnraum nur entstehen kann, wenn Behörden sich für Neubau aussprechen und auch Anwohner mitziehen.